Mittwoch, 2. November 2016

652 Tage - oder der 35. Frankfurt Marathon

 Das war er nun: mein (erster) Marathon!

Für mich ist es nach wie vor unwirklich, dass ich es tatsächlich durchgezogen und geschafft habe, dass ich ein paar erste Eindrücke und Zahlen hier mal festhalten muss...vielleicht wird es dadurch fassbarer.

"This is your day!", das Motto des Frankfurt Marathons...wie passend für mich. 
Die letzte Woche vor dem großen Tag war wirklich anstrengend, nicht wirklich körperlich, aber mental. Der Trainingsplan, bis auf ein paar sehr kurze Läufe, war geschafft, der große Tag rückte immer näher und die Aufregung steigerte sich in schier unmessbare Bereiche.
Tipps zur Renneinteilung und mentalen Stärke hatte ich mir sowohl von meinem Coach, als auch von einer Ironman Hawaii Finisherin geholt, die wirklich hilfreich waren...mir an diesen Tagen aber irgendwie nur bedingt halfen, denn die große Unbekannte namens 42,195 verunsicherte mich zusehends. Auch wenn ich wusste, dass ich den Trainingsplan, bis auf Kleinstausfälle, durchgezogen habe und es richtig und sinnvoll ist dass man diese Distanz niemals vorher läuft.
2-3 Tage davor kam ein allmorgendliches Halskratzen dazu, begleitet von Kopfschmerzen. "Alles psychogen!" versuchte ich mich selbst zu beruhigen und Friedhorst wieder in seine Ecke zu drängen. Gelang mir teilweise mäßig bis gar nicht.
In der Nacht zum Sonntag wachte ich dann im 3 Std.-Takt auf, mit absolut zunehner Nase und Kopfschmerzen und fragte mich ernsthaft, wie ich denn so bitte eine unbekannte Strecke laufen sollte?!? Glücklicherweise gelang es mir doch nochmal, ein wenig zu schlafen, bevor der Wecker klingelte, damit ich früh genug frühstückte und mich auf den Weg zum Bahnhof machte, wo ich den Coach treffen sollte.
So war ich  nicht ganz so lang auf mich allein gestellt, auch wenn ich mich unter absoluten Top-Läufern befand.
Die Zeit bis zum Start verflog dann doch relativ schnell: Umziehen war angesagt, die Jungs wollten noch ein Kaffee und natürlich musste ich nochmal aufs Klo (was natürlich länger dauerte bei den ganzen Startern). Schnell wurde dann noch ein Foto mit meiner Trainingsmitstreiterin und Freundin und dem Coach gemacht und schon musste ich den ersten Teil meines Supporterteams einsammeln, um überraschenderweise auch den 2. Teil direkt zu treffen :) Richtig viel Zeit blieb nicht mehr, um mich warm zu machen...ich war aber auch in einer Art Tunnel und kaum noch zugänglich für irgendwas. Obwohl ich in der 2. Welle starte (und somit 10min später) ging es auf einmal schon los. "Nur nicht zu schnell, nur nicht zu schnell!!", so das Credo aller und mein fester Vorsatz, was die ersten 2 km fast zu gut gelang (vermutlich auch auf Grund meines etwas spinnenden GPS-Empfangs). Die Strecke durch die Häuserschluchten war (vorallem im Nachhinein) atemberaubend und erinnert mich gerade ein wenig an New York. Bereits bei km4/5 (ich bitte um Korrektur, wenn ich mich da sehr vertue ;) ) standen meine ersten Supporter und jubelten mir zu. Super war das!! "Nur nicht überpacen, du hast noch ein bissel was vor dir", diese Gedanken begleiteten mich die ersten 10 km. Irgendwann lief ich eher nach Gefühl, weil die Paceangaben doch sehr schwankten. Bei km 10/11 standen 2 unserer Ärztinnen, die in Frankfurt wohnen und zur Strecke gekommen waren. Toll war es, die beiden Mädels zu entdecken, die sich riesig freuten, mich auch zu sehen.
Bei km 13 ging es auf der "alten Brücke" über den Main: ein kleines Stück ging es also bergauf. Dort rief mein ein gut aussehender Mann zw. 30 und 40 zu " Schön locker weiterlaufen, Carolin, weiter so!" Und ich habe tatsächlich ein paar Kilometer überlegt, ob ich diesen Herren irgendwoher kenne...oder ob er einfach nur nett war :)
Die Strecke auf der anderen Mainseite war auch relativ schnell vorbei und es war relativ schnell klar, dass aus dem rechnerischen Ziel des Trainingsplan nichts wird. Denn ab km 18 plagten mich Hüftbeschwerden beidseits, wo ich bis heute nicht weiß, ob sie muskulärer Natur oder knochenbedingt waren. So war es für mich allerhöchste Priorität, in der Festhalle anzukommen!
Bald schon ging es auf das berüchtigte Stück der Mainzer Landstraße, die sich in der Tat ziemlich zog...mir aber nicht so schlimm vorkam, wie gedacht. Allerdings freut man sich dann schon mal wieder, wenn mal wieder eine Kurve kommt so nach 4 Kilometern.
Bei etwa km35,x entdeckte ich dann zuerst mein Papa mit Familie und ein paar 100m weiter meine Mama mit Mann. Wirklich gut, dass hier nochmal bekannte Gesichter standen, denn 35km waren die magische Marke, die ich im Training bereits absolviert hatte...und zwar genau ein Mal.
Ich drängte den Gedanken "Jetzt geht der Marathon los, weiter bist du noch nie gelaufen!" gaaanz ganz tief zurück ins Hinterstübchen und ließ es nicht zu, dass mich das beeindruckte. Ok, ich wusste schon, "jetzt sind es nur noch 7 km" und man ist ja dem Ziel schon relativ nah bzw. sieht es von der Rückseite...und dreht dann doch noch ein paar Runden und Schleifen durch die Frankfurter City, denn irgendwoher müssen die 42km ja kommen ;)
Ab km 39/40 wurde es dann mental doch ein wenig härter...ich wollte einfach auch endlich den Hammering Man sehen (nicht spüren *g*), ankommen, mein Ziel erreichen, meine Familie sehen und meine wohlverdiente Medaille haben! Bei km40 entdeckte ich noch einmal unsere Ärztinnen, die diesen Schnappschuss von mir machten :)



Und Tatsache: nach 4:29:19h netto überquerte ich die Ziellinie in der Festhalle!




Ja, ich gebe zu, gern wäre ich ein wenig schneller gewesen, und sicherlich wäre auch noch ein bisschen was drin gewesen. Aber ich wollte und musste einfach ankommen...deswegen bin ich auf Sicherheit gelaufen.Wie eingangs gesagt: So ganz bin ich in der Festhalle mental noch nicht angekommen. Deswegen habe ich mal ein bisschen gerechnet, denn Zahlen lügen nicht: 652 Tage. 652 Tage, dass ist exakt die Zeit von meinem absoluten Laufbeginn zum Marathon!

P.S.: Eigentlich hätte er es gar nicht verdient, auch nur in einem P.S. in einem Beitrag über MEINEN Tag erwähnt zu werden! Trotzdem musste ich es tun: 15 min(!) nach Zieleinlauf (was dafür spricht, dass er mich aktiv über den Tracker verfolgt hat!)bekam ich eine Nachricht auf mein altes Handy von der Person mit dem unausprechlichen Namen. "Trotz der Abmachung (wie unverschämt!) wolle er mir zu meiner tollen Leistung graturlieren und mir sagen, dass er super stolz auf mich sei!" Danke du Idiot, aber was soll das?!?!! Denn eines muss dir klar sein: ich habe das alles nicht mit oder wegen dir, sondern TROTZ dir geschafft!!! Und zwar ganz alleine!

Sonntag, 4. September 2016

Dieser Lauf ist mein Lehrer!!! Oder: Mühlheimer Halbmarathon 2016

Lange war von  mir nicht zu lesen... vor allem aus Zeitmangel, weil doch relativ viel Arbeit, ein zeitintensiver Trainingsplan und auch das ein oder andere sportliche Event auf dem Plan standen.

Heute nun müsst ihr lesen, dass es auch bei mir nicht immer so läuft, wie geplant. Ich war ja bereits darauf eingestellt, dass nicht immer alles tippitoppi und mit Daumen hoch zu bewältigen sein wird. Als ich aber meine nächsten Meilensteine (nämlich das erste Mal 25 km und in der darauffolgenden Woche das erste Mal die 30km) zwar nicht mit Leichtigkeit, aber doch planmäßig und erfolgeich bezwang, machte ich mir um den eingeplanten Test-Halbmarathon keine wirklichen Gedanken und hatte eigentlich sogar vor, meine Zeit von März zu unterbieten.
Aber wie es so ist, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Bereits gestern war ich mental nicht so gut drauf und schob es aber auf mal wieder zu viel Grübeln und das "allmonatliche Frauenproblem", was sich eigentlich bereits gestern einstellen sollte. Letzterem war aber (leider) nicht so.

So bin ich dann in aller Herrgottsfrühe für einen Sonntag aufgestanden, um noch frühstücken zu können und in aller Ruhe loszufahren und mich zu sortieren.
Das Wetter: Für jeden Läufer ein Traum, ca. 20 Grad (wobei mir das eigentlich schon wieder zu warm ist), bedeckter Himmel und ein leicht einsetztender Nieselregen, der zum Start aber schon wieder vorbei war.
Pünktlich um 9 Uhr wurde gestartet und es ging zunächst los mit 2 Runden auf der Aschebahn, bevor es in den Wald ging. Natürlich wurde ich erstmal überholt, versuchte aber bewusst, langsam zu laufen. Irgendwann hatte ich mich dann an eine Frau drangehängt, mit der ich die ersten 11 km zusammen lief, bevor ich abreißen lassen musste.
Das erste Erlebnis der 3. Art gab es aber bereits bei km 2: Ein Mann vor uns fing wie wild an zu rudern und um sich zu schlagen. Ich wunderte mich erst, warum er nach umherfliegenden Blättern schlug...Sekunden später biss es mich auch, einmal in den rechten Oberarm und in die rechte Pobacke sowie vermutlich einmal in die rechte Seite! Wie ich später erfuhr, waren es tatsächlich Hornissen!! Einige der Teilnehmer sind daraufhin wohl auch direkt umgekehrt... na ja, ich lief weiter. Aber es irritierte mich natürlich sehr, denn erstens tut das echt weh (und momentan auch immernoch) und zum anderen war ich nun gedanklich damit beschäftigt, ob sich evt eine allergische Reaktion anbahnt. Gedanklich war ich nun also mit anderen Dingen beschäftigt. 
Meine GPS-Uhr und die Geschwindigkeitsangaben waren auf Grund der Waldlastigkeit doch seh ungenau, so dass ich mich gar nicht wirklich darauf verlassen konnte. Deswegen schloss ich mich eben der anderen Mitläuferin an.
Bei km 7 tauchte auf einmal ein Oberarzt meiner Klinik auf, der es dann scheinbar doch noch zum Start geschafft hatte...bzw. etwas später startete und den anderen eben hinterher lief und mich bei km7 einfing. (Da er den Streckenplan nicht ganz im Kopf hatte, fehlt im aber fairerweise die 2. Bahn im Stadion, wie er selbst meinte ;-) ). Wir unterhielten uns kurz und verabredeten uns dann für ein Bier im Ziel.
Als ich dann ab km 12 alleine weiterlief, wurde es irgendwie richtig zäh, körperlich wie mental, trotz Verpflegung ging es mir irgendwie nicht so richtig gut. Vielleicht lag es auch an dem lange andauernden Regenschutt in Verbindung mit den Hornissenstichen? Ich weiß es nicht.
Irgendwann merkte ich dann, dass sich das "allmonatliche Frauenproblem" wohl doch anbahnte und zuschlug...zu einem der ungünstigsten Zeitpunkte überhaupt! Also ihr Männer da draußen, da habt ihr wirklich mehr wie einen Vorteil!
Mental war ich zwischendrin wirklich kurz davor, einfach abzubrechen, ich kam gar nicht mehr in den Tritt. Die letzten ca. 6 km hatte ich auch einfach nur klatschnasse Füße, eine gefühlte Pfütze im vorderen Teil meiner Schuhe, was wirklich sehr unangenehm war. Die ganze Zeit überlegte ich ebenfalls, ob ich wohl nochmal an diesem Teil mit den wildgewodenden Stechviechern vorbei muss. Entweder waren die Viecher nun müde oder die Strecke verlief wirklich anders auf dem Rückweg.
Ich war sehr froh, als ich merkte, dass das Ziel naht und konnte wenigstens den letzten km noch mal etwas anziehen. Auf den letzten Metern im Stadion sah ich tatsächlich noch meine Mitläuferin vom Anfang...allerdings gehenderweise. Ob sie schon durchs Ziel war? Ich weiß es nicht.

Nun ja, dieser Lauf war wirklich nicht meins*gr* Wenigstens bin ich nicht als allerletzte im Ziel angekommen.

Samstag, 6. August 2016

Die erste Woche Marathontraining...

...ist erfolgreich absolviert! :-)

Ich startete ja mit etwas gemischten Gefühlen in den Trainingsplan, schwankend zwischen Selbstzweifeln, ob es nicht doch zu früh für den ersten Marathon ist, gepaart mit den körperlichen Zipperlein und der Sturheit, der Wut und Entschlossenheit die ich zum Zeitpunkt der Anmeldung am 17.4. verspürte.

Das Wetter machte es mir Gott sei Dank einfach, in den ersten Tag der ersten Woche von nun 13 folgenden Wochen zu starten.
Es war morgens gegen 6 Uhr, die Sonne schien, die Luft war klar und kühl und die Wetterau zeigte sich von ihrer besten Seite. Auf dem Plan standen die ersten 10 km in Schneckentempo (also noch nicht mal Schildkrötentempo)...also wirklich mehr als seeehr langsam. Es war der erste Lauf seit langem, den ich einfach nur genossen habe. Das langsame Tempo kam mir und meinen Knochen zu Gute, denn ich hatte Schiss, dass ich bereits nach dem ersten Lauf wieder mit Überlastungserscheinungen zu kämpfen haben würde. Dem war Gott sei Dank nicht so.
 
Was ziehe ich also für ein Fazit aus der ersten Woche des Trainingsplans?

Langsam, und damit meine ich wirklich so richtig langsam laufen, ist verdammt schwer! 
Bei den wirklich langsamen Läufen, die der Stärkung der Grundlagenausdauer dienen, habe ich es noch nicht geschafft, die langsame Pace zu treffen. Wenn ich so langsam unterwegs bin bzw. sein soll, fühlt es sich komplett unrund an und ich habe wirklich das Gefühl, dass die Koordination der unteren Extremität nicht mehr stimmt bzw. man über jeden Schritt einzeln nachdenkt.  "Wenn du es eilig hast, gehe langsam!" Kommt hier also voll zum Zuge.

Der für mich in der letzten Zeit relativ hohe Umfang an Wochenkilometern habe ich zwar gemerkt, aber weit weniger schlimm, wie befürchtet. Und auch darüber bin sehr froh.
Natürlich weiß ich auch, dass nicht jede Woche so relativ entspannt und positiv laufen wird. Spätestens wenn die langsamen Läufe wirklich lang werden, wird es richtig an die Substanz gehen. Aber der Einstieg war schon mal gut und das lässt hoffen. Über die Steine werde ich einfach drüber springen...und hey, 1/13 ist schon geschafft! :-)

 

Sonntag, 31. Juli 2016

Morgen geht es los

 Morgen geht es los...mein Sommerprojekt. Der Trainingsplan für den Frankfurt Marathon 2016.
(c) Lauf-Liebe
Wie schon in den vorigen Posts geschrieben, hatte ich in der letzten Zeit mit ein paar Zipperlein zu kämpfen und schaute deswegen ein wenig sorgenvoll auf den nähere rückenden Start des Trainingsplan.
Nicht nur der Körper haderte, auch der Geist haderte, wo ich mir bei der Anmeldung doch so sicher war! Keine sehr leichte Situation für mich. Mittlerweile habe ich aber gelernt, auf meinen Körper zu hören, auch wenn das eher mit einem Zähneknirschen einher geht. Diese Woche habe ich das erste Mal die Umfänge so reduziert, wie ich es vielleicht vor 1,5 Jahren hatte. Nicht leicht, aber immer mit dem Ziel des Marathons vor Augen. Seit ca. einer Woche habe ich nun meinen Trainingsplan (von einem wirklich sehr erfolgreichen Triathleten) und das gibt mir Sicherheit, weil ich einfach eine Richtlinie habe. Die Zielzeit unter 4 Std. ins Ziel zu kommen ist derzeit relativ unrealistisch. Für mich ist es gut, dass vorher bereits zu wissen, denn so muss ich mich damit nicht mental während des Laufs beschäftigen. Derzeit sieht es so aus, das meine realitstische Zielzeit bei 4:16:00 Std. liegt. Außerdem hilft mir zusätzlich der Austausch mit einer lieben Kollegin, die schon länger läuft als ich (und auch dementsprechend schneller), aber auch am 30.10.2016 ihr Marathondebut in Frankfurt hat. Die Verabredung für das Finisherbier (natürlich alkoholfrei) in der Festhalle steht auch schon, auch wenn sie dann ein wenig auf mich warten muss ;-)

Heute morgen kam ich von meinem Bereitschaftsdienst nach Hause und fand folgende Karte meiner besten und längsten Freundin im Briefkasten. Quasi als Mutmacher für die nächsten 13 Wochen und dem Abschluss mit Ziel in der Festhalle. Gänsehaut, Freude und der Vorsatz diesen Satz zu verinnerlichen, machten sich breit.




 Morgen geht es los, morgen starte ich zum Projekt Marathon. So ganz kann ich es noch nicht glauben, der Kopf kommt noch nicht ganz hinterher. Aber ich habe in 1,5 Jahren so viel geschafft...da werde ich auch das schaffen. Und über die Steine, die sich auf diesem Weg auftun werden, werde ich einfach drüber springen.






Sonntag, 10. Juli 2016

Sportliches Update

Diesmal hat es ein bisschen länger bis zu einem neuen Post gedauert. Warum? Vermutlich aus 2 Gründen: Zum einen gab es nicht viel neues, zum anderen hadere ich derzeit wieder ein wenig mit meinem Körper bzw. dessen Leistungsfähigkeit und den kleinen Zipperlein, die mich derzeit wieder ein wenig nerven! Das macht mich natürlich im Hinblick auf den immer näherkommenden Beginn des Marathontrainingsplans ein wenig nervös.
Um auch einmal auf andere Gedanken zu kommen, fuhr ich letzten Sonntag nach Frankfurt um mir den Ironman anzuschauen. Das Wetter war jetzt nicht so der Brüller, aber für die Athleten sicherlich angenehmer als die fast 40 °C letztes Jahr.
Den Anfang schaute ich mir noch per Livetream im Internet an und ich schaffte es doch tatsächlich so nach Frankfurt zu fahren, um die beiden deutschen Sieger einlaufen zu sehen. Das war wirklich Gänsehautfeeling pur! Zwischen dem 1. und dem 2. lagen noch nicht mal eine Minute Zeitunterschied, was beim Ironman relativ ungewöhnlich ist. Ich blieb noch ein wenig an der Strecke um auch die Age-Grouper (also die Nicht-Profis, Amateure hört sich so abwertend an) auf ihren letzten Metern anzufeuern. Es war wirklich Wahnsinn, zu was die Leute fähig sind, nämlich 10, 12 Std. oder noch länger Ausdauersport zu betreiben. Davor kann ich wirklich nur meinen Hut ziehen.

Der Gewinner Sebastian Kienle
 Wie gesagt, derzeit läuft es bei mir eher schlecht als recht. Es ist zwar nicht so gravierend wie letztes Jahr um diese Zeit, aber es reicht, um mir auf den Keks zu gehen. Da ich nach dem freitaglichen Bereitschaftsdienst nicht wirklich zu einem langen Lauf fit war und auch noch "wandernderweise" ein wenig unterwegs war, wandelte ich die den Wochenendslanglauf einfach um.
Zahlen, Daten, Fakten: 5,5km laufen hin - 1,5km Brustschwimmen - 4km laufen zurück
Es sollte nämlich zusätzlich auch endlich mal ein schwimmbadtauglicher Tag werden. So entschloss ich mich, zum Schwimmbad zu laufen, dort zu schwimmen und wieder zurück zu laufen. Ich fand das vorher eine ziemlich coole Idee...und ein wenig nachher auch wieder, nur zwischendrin bin ich doch wieder ein wenig an meine Grenzen gekommen: Auf Grund der Uhrzeit startete ich wieder nüchtern...was im Nachhinein nicht gerade die beste Idee war. Denn die erste Verpflegung an diesem Tag gab es, als ich wieder daheim war. Außerdem hatte ich meine Wanderung auch noch in den Knochen.
Ganz bis nach Hause habe ich es leider nicht geschafft...den letzten Kilometer musste ich dann doch gehenderweise überwinden. Aber immerhin war es ein wirklicher Run-Swim-Run und die Zeiten waren für die Umstände gar nicht sooo katastrophal wie gedacht. Das fand ich dann doch ganz ok. Trotzdem war ich den restlichen Tag heute natürlich ziemlich platt, aber egal.
Es macht Spaß, immer mal wieder etwas neues auszuprobieren...denn das Leben beginnt schließlich außerhalb der Komfortzone.


Montag, 13. Juni 2016

; Projekt Semikolon; die 2.te

Da ist es also, mein ganz persönliches Semikolon.

mein Semikolon


Aber warum jetzt, warum als Tattoo und warum in dem Wort "Fighter" inkludiert?
Jetzt, zum einen weil ich es erst vor kurzem von "Project Semicolon" und dessen Idee erfahren habe. Zum anderen, weil ich, fast schon auf die Uhrzeit genau (gerade ist es 16:09), einen Schlussstrich unter einen Kontakt gezogen habe, der mich nachweislich immer wieder, mal mehr mal weniger, in das Jahr 2015 zurückezogen hat. Die Vernunft sagte schon lange, dass es besser ist, den Kontakt abzubrechen bzw. darum zu bitten, von weiterer Kontaktaufnahme mit "tollen" News abzusehen. Aber es brauchte scheinbar doch ein paar Erkenntnisse meinerseits (z.B. wie man Freundschaft definiert) und auch mit dem innersten Ich festzustellen, dass manche Dinge einen schier vergiften und man das ganz lange nicht wahrhaben wollte.
Diese Erkenntnis hat bei mir eine halbe Ewigkeit gedauert, aus Gründen, auf die ich vielleicht ein anderes Mal eingehen werde. Die letzte Sitzung bei meiner Friedhorst-Dompteuse hat dazu beigetragen, dass der wachsende Teil in mir, der sagt, dass der Kontaktabbruch einfach sein MUSS richtig durch kam und aktiv wurde. Ich verspürte eine tierische Unruhe und einen inneren Druck und setzte mich in meiner Heimatstadt in ein Café, bestellte einen Aperol und schrieb die für mich so schwierige Nachricht an Olaf.
Ich hatte gehofft, dass sich relativ schell, also bitte sofort!, eine Art Erleichterung einstellte. Aber das Gegenteil war der Fall: Sämtliche negativen Emotionen aus 2015 inkl. der verhassten Gedankenschleifen kamen wieder hoch...und das nicht nur mitten in dem Café, sondern auch im Auto auf der Autobahn. An diesem Tag schienen erstmal alle Fortschritte dahin, alles was ich mir bisher erarbeitet und erkämpft hatte. Das machte mich wütend...aber nicht auf Olaf, sondern auf mich!
Heute, eine Woche später, kann ich sagen, dass nicht alles dahin war bzw. ist. Wenn dem so wäre, hätte ICH nicht den Zeitpunkt für den Kontaktabbruch gewählt, sondern hätte ihn von anderen wählen lassen. Hätte mich weiterhin passiv verhalten und einfach nur ausgehalten und über mich ergehen lassen. Oder den Schritt vollzogen, weil mein Umfeld meint, dass es jetzt endlich sein muss.  Ich muss diese Geschichte, dass komplette Durchleben der Emotionen, auch erstmal wieder ein bissel verdauen.

Warum habe ich Fighter gewählt?
Manchmal muss ich mich aktiv daran erinnern, dass ich kämpfen kann, nämlich nicht nur beim laufen, sondern auch in und für mein Leben. Und, zum Kuckuck, dass darf jetzt gerne mal so laufen, wie ich das möchte.





Dienstag, 31. Mai 2016

; Projekt Semikolon ;

Bei meinem "Lauf gegen Depressionen" gab es auch einiges an Infomaterial, u.a. das Magazin "Miles!" für seelische Gesundheit und Emotionen. In einem Heft gab es einen Artikelt "Das Leben ist keine Generalprobe", über den Weg einer jungen Frau raus aus der Depression. Dort wurde Bezug genommen auf das "Project Semicolon", initiiert von Amy Bleuel 2013 aus den USA. Doch dazu später noch mehr.



Der ein oder andere Leser wird sie vielleicht auch schon öfter in den Social Media wahrgenommen habe, kleine und große Semikolons, die sich die Menschen an den verschiedensten Stellen des Körpers aufmalen oder -tätowieren lassen. Ich habe das mehrfach schon in der Realität und auch im Internet gesehen, bis dato den Sinn dahinter aber nicht verstanden und es als weiteren Trend, den ich nicht verstehe, abgehakt.
Aber was ist eigentlich ein Semikolon? Ein Semikolon wird benutzt, wenn der Autor einen Satz beenden kann, sich aber entscheidet, dies nicht endgültig zu tun ( es trennt stärker als ein Komma, aber verdeutlich im Gegensatz zum Punkt die Komplexität des Satzes).
 Amy Bleuel, selbst an starken Depressionen erkrankt schreibt auf ihrer Homepage:" Mit dem tätowierten Symbol kann ein Satz jederzeit beendet werden, doch der Autor hat sich entschlossen, dies nicht zu tun. Dieser Autor bist DU - und dieser Satz ist DEIN Leben!"
Diese Worte gingen bei mir wirklich durch Mark und Knochen, denn es beschreibt so viel mehr als diese paar Worte. Vermutlich bin ich gerade dabei, mein eigenes (im übertragenen Sinne) Semikolon zu schreiben. Ok, ich stand nie vor (ernsthaften) Suizidabsichten, stand also nie vor einem ernstahften Punkt, um den vorigen Satz zu beenden...aber ich wusste eben nicht, ob und wie meine Lebensgeschichte weiter geht. Mittlerweile weiß ich zumindest, DASS sie weiter geht. Zwar nicht immer auf die angenehmste Art und Weise, aber eben doch weiter, wenn manchmal auch nur irgendwie. Da ich "mein eigener Autor" bin, hab ich im positiven (aber auch im negativen Sinne), die (Qual der) Wahl, mich zu entscheiden, wie mein Satz weiter geht. Immerhin weiß ich mittlerweile viel eher, was ich nicht will. Und das ist ja auch schon mal etwas wert. Denn wenn man eine Zeitlang Probleme hatte, welche sich mit den Worten einer deutschen "Semikolonträgerin" am besten beschreiben lässt (" Depression ist für mich, wenn ich ohne Grund traurig bin. Depression bedeutet für mich, zuviel oder zuwenig zu schlafen. Depression bedeut für mich, Tränen zu vergießen, ohne den Grund zu kennen. Depression lässt mich das Gefühl haben, wertlos zu sein, obwohl ich glücklich sein sollte."), kann man nicht an das positive an seinem eigenen Dasein glauben.
Was ist nun die Hauptidee hinter "Project Semicolon"? Die Schwierigkeit zu überwinden, sich zu outen! Ja, bei mir wissen familiäres und der engste Freundeskreis Bescheid. Aber irgendwie schwingt immernoch die Angst mit, (und am Anfang war es noch schlimmer), dass man mich deswegen anders behandelt oder stigmatisiert wird, auch wenn ich das Glück (bisher) hatte, nicht die schlimmste Form einer Depression mein eigen nennen zu können. Bisher habe ich genau einmal den Mut gehabt, es einer "fremden" Person, nämlich jemanden, der mich vorher nicht kannte, davon zu erzählen. Die Reaktion war erstaunlich, denn auch er war schon einmal in Verhaltenstherapie...und so schließt der Kreis: Denn wir sind (nicht nur anzahlmäßig) mehr als wir glauben! Und auch ich habe mich getraut, "Project Semicolon" auf Facebook zu liken und mich somit dazu zu bekennen...auch wenn ich weiterhin damit nicht unbedingt hausieren gehen werde.